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04|10|2021

Teil 2: Im Fokus beim VFF-Jahreskongress „Inside 2021“ in Berlin - Aufgaben von heute für morgen: Digitalisierung und Klimaschutz

Frankfurt am Main, 1. Oktober 2021. Zwei Megathemen der Gesellschaft und der Branche gleichermaßen bestimmten das Programm des Jahreskongresses des Verbandes Fenster + Fassade (VFF) am 23. und 24. September 2021 in Berlin. Hochkarätige Referenten loteten die Fragen aus, welche Zukunftschancen sich der Branche in einer digitalisierten Welt bieten und wie Klimaschutz durch effiziente Fenster und Fassaden gelingen kann. „Mit diesen Schwerpunkten haben wir, zwei Tage vor der Bundestagswahl, die Finger in zwei große Wunden gelegt, die ge-sellschaftlich und politisch derzeit im Zentrum der zu lösenden Aufgaben stehen“, so der VFF-Geschäftsführer Frank Lange.

1. Digitalisierung als Aufgabe und Chance

Den Themenblock „Digitalisierung“ bestritten gleich drei Experten aus drei sich ergänzenden Perspektiven. Unmittelbar branchenbezogen, präsentierte Markus Jungbluth von der Helmut Meeth GmbH & Co. KG den langen, zukunftsoffenen Digitalisierungs-Weg seines Unternehmens im Blick auf unternehmensinterne, lieferantenbezogene und kundenorientierte Prozesse seit 1986. Als ersten großen Meilenstein nannte Jungbluth das ERP System als wichtigstes Programm im Unternehmen zur Umsetzung unter anderem der papierarmen Fertigung, einer integrierten Materialwirtschaft sowie der Fertigungsplanung und Steuerung. Als nächsten Meilenstein ging Jungbluth auf die Einführung des Dokumenten-Management-Systems (DMS) ein mit der Folge, dass jetzt leere Regale dort sind, wo sich früher endlose Ordnerreihen gebildet haten. Die Erläuterung der aktuellen Themen und Aufgaben im Digitalisierungsprozess der Helmut Meeth GmbH bildeten den Abschluss des hochinformativen Vortrags von Markus Jungbluth. Dazu nannte er „Cloudwindow – die Digitalisierung des gesamten Lebenszyklus´ eines Fensters“, „Digitalisierung im Bereich HR im speziellen Ausbildungsmanagement“, „Data Mining und BI“ sowie „KI-basierte Qualitätsprüfung bei Isolierglasscheiben“.

Der folgende Praxisbericht des versierten Digitalisierungsexperten Felix Dossmann zum Thema „KI in der Fertigung“ oder „alles so schön digital hier… – KI & deep learning verändern unsere Welt“ stellte auf unterhaltsame Weise das Digitalisierungs-Panorama der Gegenwart vor. Mit den Titeln von vier Popsongs führte Dossmann durch seinen Vortrag: „Here we are“, „You ain’t seen nothin yet“, „Should i stay or should i go ?“ sowie „A little less conversation“ als Schlussaufforderung: „einfach mal machen!“. Dossmann beschrieb die Etappen Internet, Smartphone und Big Data und wie sie bisher schon unsere Welt verändert haben: zum Beispiel in der Werbewirtschaft (durch Google), in der Systemgastronomie oder im Bankgewerbe. Deep Learning und BIG Data sind Treiber dieser unaufhaltsamen Digitalisierung fast aller Lebensprozesse in einer bisher ungekannten Geschwindigkeit – das automatisierte, autonome Fahren steht heute schon kurz vor der Serienreife. Felix Dossmann beendete diesen Blick in die digitale Gegenwart und ihre Zukunft, die schon begonnen hat, mit all den Chancen und Risiken, die diese Entwicklungen im Blick auf wachsende Freiheit und Unfreiheit (wie Überwachung oder Entmündigung) bieten.

„Vernetzung“, „Virtualisierung“ und „Plattform-Ökonomie“ waren die zentralen Etappen des Influencers und Publizisten Sascha Lobo bei seinem Vortrag zum Stand der Digitalisierung. Einleitend blickte Lobo nicht ohne leichten Spott auf die „gruselige deutsche digitale Infrastruktur“, womit Deutschland im internationalen Vergleich ganz weit hinten landet. Die „Kraft der Vernetzung“ erläuterte er an dem „Oregon-Experiment“, der Entwicklung eines effizienten Wegenetzes aus den Datenmengen der Aufzeichnung der „Trampelpfade“. Das Stichwort „Virtualisierung“ führte Lobo dann am Beispiel des „Home-Offices“ vor Augen. Wie sich diese digitale Schwester des dinglichen Büros unter dem Transformationsdruck der Corona-Pandemie entwickelte, ist ein Hinweis darauf, was möglich ist. Als Analogon im Baubereich führte Lobo die Entwicklung von BIM (Building Information Modeling) auf, gleichsam als Brücke zum Thema „Plattform“ als dem gemeinsamen „Ort“ heutiger und zukünftiger digitaler Projekte. Unter Einsatz von KI als „Mustererkennung auf Speed“ erobern Plattformen unseren Alltag: Für die Kongressteilnehmer nannte er naheliegend die Entwicklung zum „Smart Home“ mit Alexa als digitalem Familienmitglied. Wie Felix Dossmann verband auch Sascha Lobo seinen Ausblick mit einer ethischen Perspektive. Er begrenzte den Horizont der möglichen digitalen Zukunft, indem er alles davon ausschloss, „was nicht digitalisiert werden darf“.

2. Klimaschutz durch effiziente Fenster und Fassaden

Den Themenblock „Klimaschutz“ eröffnete der Fernsehmeteorologe Sven Plöger zunächst mit einem Blick auf Wetterextreme und auf den darin manifestierten Klimawandel, vor dem die Wissenschaft schon seit fast 50 Jahren warnt, erstmals 1972 mit dem Bericht des Club of Rome. Nach diesem Einstieg unter dem Titel „Hitze, Dürre, Starkregen – das Wetter wird extremer“ folgte der zweite Vortragsteil zur Frage „Was hat das arktische Eis mit unserem Wetter zu tun?“ Fotos, Satellitenbilder, Grafiken und Formeln zeichneten eine erschreckende Aussicht auf Entwicklungen, die jetzt schon nicht mehr aufzuhalten sind. Mit der folgenden „Einordnung des Temperaturanstieges“ konnte Plöger überzeugend demonstrieren, wie schnell diese Entwicklung vonstatten gegangen ist, was sie mit dem Ausstoß von Treibhausgasen zu tun hat und welche Zielsetzungen derzeit die Debatte bestimmen (1,5 Grad-Ziel). Wie wir uns selbst betrügen beim Umgang mit der derzeitigen Entwicklung, brachte Plöger dann unter dem Titel „Klimawandel, kognitive Dissonanz und Corona“ zur Sprache. Plögers Fazit: Am Ende kommt es auf jeden Einzelnen an, am Ende müssen Staaten wie Deutschland vorgehen, um größere CO2-Emittenten wie China und Indien mitzuziehen. Und selbst dann müssen wir womöglich froh sein, wenn wir am Ende die Temperaturentwicklung auf einen Anstieg von 2,1 Prozent begrenzen können.

Vor diesem Hintergrund stand die folgende Podiumsdiskussion, die den globalen Blick wieder auf Deutschland und die akuten Klimaschutzaufgaben im Gebäudebereich zurücklenkte – insbesondere im Blick auf die transparente Gebäudehülle. Axel Gedaschko, Präsident des GdW, rückte in seinem Impulsvortrag aus Sicht der Wohnungswirtschaft ein ganzes Bündel an Problemen in den Fokus: Er nannte die soziale Dimension des Klimaschutzes („kostet Geld“), wies auf das Dilemma milliardenteurer Förderung hin („wird nutzlos wegen Verhaltensänderungen wie höherer Wohnungstemperatur oder offenstehender Fenster“) und machte auf die Herausforderung aufmerksam, die nötigen Fachkräfte für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zu rekrutieren. In der folgenden Diskussion, die Thomas Drinkuth, Leiter der Berliner Repräsentanz Transparente Gebäudehülle RTG, moderierte, verwies zunächst Ulrich Benterbusch, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, auf die bisher von der Politik auf die Bahn gebrachten und finanzierten Maßnahmen. Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, machte geltend, dass der Gebäudebereich der trägste aller Klimaschutzsektoren ist und betonte noch einmal das Problem des Fachkräftemangels. Die weitere Diskussion drehte sich dann um die Frage der Mittelverteilung, die aus Sicht der Fensterbranche mit „Efficiency First“ zu beantworten ist, auf das unklar abgestimmte Dreieck: Bepreisen, Bestechen („Fördern“) und Befehlen („Ordnungsrecht“) und kam schließlich wieder zurück auf die Frage, ob und wie die erforderliche Gebäudesanierungsquote von zwei Prozent/Jahr erreicht werden kann. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Beurteilung der Angemessenheit und Erforderlichkeit der Mittel verband doch die Zielsetzung erfolgreichen Klimaschutzes im Gebäudebereich die Diskussionsteilnehmer und alle vorgetragenen Argumente.

Diese Podiumsdiskussion vom 24. September 2021, die online als Politik-Dialog des VFF gesendet wurde, wird als Videoaufzeichnung in der Politik-Arena unter https://politik-arena.de/ angeboten. Dort finden Sie auch die Aufzeichnung des VFF Politik-Dialogs vom 15. Juni 2021 mit einem Beitrag zum Fachkräftemangel als Herausforderung bei der Erreichung der notwendigen höheren Gebäudesanierungsrate im Interesse der Klimapolitik.

 

Foto „JK2021_Jungbluth“: Wie Digitalisierung konkret in der Fensterbranche umgesetzt werden kann, trug Markus Jungbluth von der Helmut Meeth GmbH & Co. KG vor. (Foto: VFF)

Foto „JK2021_Dossmann“: Was Deep Learning jetzt schon bedeutet und welche ambivalenten Perspektiven der Blick in die Zukunft bietet, stand im Zentrum der Präsentation von Felix Dossmann. (Foto: VFF)

Foto „JK2021_Lobo“: Sascha Lobo, Journalist und Digitalisierungsexperte, erläuterte nicht nur die digitalen Folgen des pandemischen Transformationsdrucks, sondern skizzierte auch die Entwicklung der Digitalisierung zur Plattform-Ökonomie. (Foto: VFF)

Foto „JK2021_Plöger2“: Der Meteorologe Sven Plöger informierte über den weit fortgeschrittenen Klimawandel, warnte vor dem Verharmlosen dieser Entwicklung und forderte eine konzertierte Aktion zur C02-Reduzierung, bei der es auf jeden Einzelnen ebenso ankommt wie auf die großen Industrienationen. (Foto: VFF)

Eine Bildergalerie und den Kongressfilm vom Jahreskongress in Berlin finden Sie auf der Microsite https://jk.window.de/dkm/

Weitere Bilder in höherer Qualität auf Anfrage.

Pressekontakt:
Dr. Peter Christian Lang
Verband Fenster + Fassade (VFF)
Walter-Kolb-Str. 1-7, 60594 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 95 50 54-28, Fax: 069 / 95 50 54-11
E-Mail: pr@window.de
www.window.de

04|10|2021

Bild 1: JK2021_Jungbluth

Bild 2: JK2021_Dossmann

Bild 3: JK2021_Lobo

Bild 4: JK2021_Plöger2